SPIELREGELN

Regeln des Spiels

Von den sonnenverwöhnten Plätzen der Provence bis zu den umschlossenen Bahnen Italiens – jede Variante der Boule-Familie hat ihren eigenen Charakter. Hier findest du die wichtigsten Regeln der vier beliebtesten Spielarten.

Schnellvergleich

Wie unterscheiden sich die vier Spielarten? Hier ein Überblick der wichtigsten Unterschiede.

Pétanque

Spielfeld
~15 x 4 m, offenes Gelände
Kugelgröße
70,5–80 mm
Kugelgewicht
650–800 g
Material
Stahl
Wurftechnik
Stehend, Füße im Kreis
Zielkugel-Distanz
6–10 m
Teamformate
1:1, 2:2, 3:3
Punkte zum Sieg
13
Dachverband
FIPJP

Boccia

Spielfeld
27,5 x 4 m, umschlossen
Kugelgröße
100–115 mm
Kugelgewicht
~920 g
Material
Holz / Kunstharz
Wurftechnik
Mit Anlauf
Zielkugel-Distanz
Variabel
Teamformate
1:1, 2:2, 4:4
Punkte zum Sieg
12 oder 16
Dachverband
FIB

Boule Lyonnaise

Spielfeld
27,5 x 3,5–4 m, umschlossen
Kugelgröße
90–110 mm
Kugelgewicht
900–1200 g
Material
Bronze / Stahl
Wurftechnik
Anlauf bis Donnée-Linie
Zielkugel-Distanz
Variabel
Teamformate
1:1 bis 4:4
Punkte zum Sieg
11 oder 13
Dachverband
CMSB

Jeu Provençal

Spielfeld
Offen, größere Fläche
Kugelgröße
70,5–80 mm
Kugelgewicht
650–800 g
Material
Stahl
Wurftechnik
3 Anlaufschritte
Zielkugel-Distanz
15–20 m
Teamformate
1:1, 2:2, 3:3
Punkte zum Sieg
13
Dachverband
FIPJP

Pétanque

Die weltweit beliebteste Variante, entstanden in der Provence, Frankreich. Die Spieler stehen mit geschlossenen Füßen in einem kleinen Kreis. International vom FIPJP reguliert.

Spielfeld

Jedes einigermaßen flache Gelände eignet sich – Kies, Sand oder fester Erdboden. Wettkampfbahnen messen ca. 15 m × 4 m. Der Wurfkreis hat einen Durchmesser von 50 cm.

Teams & Spieler

Tête-à-tête (1 gegen 1, je 3 Kugeln), Doublette (2 gegen 2, je 3 Kugeln) oder Triplette (3 gegen 3, je 2 Kugeln).

Spielablauf

Das Cochonnet (Zielkugel) wird 6–10 m weit geworfen. Das Team, dessen Kugel am weitesten vom Cochonnet entfernt liegt, wirft als nächstes. Beide Füße müssen im Kreis bleiben. Die wichtigsten Techniken sind Legen (Platzieren) und Schießen (Wegschlagen).

Wertung

Das Team mit der nächsten Kugel zum Cochonnet punktet. Ein Punkt pro Kugel, die näher liegt als die beste des Gegners. Wer zuerst 13 Punkte erreicht, gewinnt.

Boccia

Italienischen Ursprungs mit antiken römischen Wurzeln. Boccia wird auf umschlossenen Rechteckbahnen gespielt und ist in Italien und der italienischen Diaspora weltweit sehr beliebt.

Spielfeld

Umschlossene Rechteckbahn von ca. 27,5 m × 4 m mit Seitenbanden. Beläge aus Lehm, Kunststoff oder gebrochenem Stein.

Teams & Spieler

Einzel (4 Kugeln), Doppel (je 2 Kugeln) oder Vierer (je 2 Kugeln).

Spielablauf

Der Pallino (Zielkugel) wird zuerst geworfen. Spieler rollen oder werfen, um möglichst nah heranzukommen. Techniken sind Punto (Legen), Raffa (Anstoßen) und Volo (Hochschuss). Ein Anlauf ist erlaubt.

Wertung

Punktvergabe nach Nähe, ähnlich wie beim Pétanque. Spiele gehen bis 12 oder 16 Punkte je nach Format.

Boule Lyonnaise

Auch bekannt als 'Sport Boule', stammt diese athletische Variante aus Lyon, Frankreich. Vom CMSB anerkannt, verwendet sie größere Kugeln und erlaubt einen Anlauf – die körperlich anspruchsvollste Variante.

Spielfeld

Feste umschlossene Bahn von 27,5 m × 3,5–4 m. Die Oberfläche muss flach und glatt sein.

Teams & Spieler

Einzel, Doppel, Dreier oder Vierer. Jeder Spieler verwendet 1–4 Kugeln je nach Format.

Spielablauf

Spieler nehmen einen Anlauf bis zur Abwurflinie (Donnée). Sowohl Legen als auch Schießen werden eingesetzt. Das Spiel erfordert erhebliche körperliche Geschicklichkeit und Präzision.

Wertung

Punktvergabe nach Nähe. Spiele gehen bis 11 oder 13 Punkte je nach Format.

Jeu Provençal

Der Vorläufer des modernen Pétanque, ebenfalls aus der Provence. Dies war das Standardspiel, bevor Pétanque 1907 erfunden wurde. Spieler machen drei Schritte Anlauf vor dem Wurf.

Spielfeld

Offenes Gelände mit mehr Platzbedarf als Pétanque. Das Cochonnet wird 15–20 m weit geworfen – deutlich weiter als beim Pétanque.

Teams & Spieler

Gleiche Formate wie Pétanque: Tête-à-tête (1 gegen 1), Doublette (2 gegen 2) und Triplette (3 gegen 3).

Spielablauf

Drei Anlaufschritte sind vor dem Loslassen der Kugel erlaubt (im Gegensatz zum Stillstehen beim Pétanque). Das macht das Spiel dynamischer und körperlich anspruchsvoller.

Wertung

Wie beim Pétanque: das erste Team mit 13 Punkten gewinnt.

GLOSSAR

Wichtige Begriffe

Das wichtigste Vokabular der Boule-Welt – vom Boulodrome bis zur Triplette.

Boulodrome

Ein spezieller Spielplatz oder Veranstaltungsort für Boule-Spiele, oft mit mehreren markierten Bahnen.

But / Cochonnet

Die kleine Zielkugel aus Holz (auch 'But' oder 'Schweinchen' genannt), ca. 30 mm Durchmesser.

Carreau

Ein perfekter Schuss, der die gegnerische Kugel wegschlägt und genau an deren Stelle liegen bleibt.

Donnée

Die Abwurflinie bei Boule Lyonnaise, bis zu der ein Spieler anlaufen darf.

Doublette

Ein 2-gegen-2-Teamformat, bei dem jeder Spieler 3 Kugeln verwendet.

Fanny

Ein Spiel 13:0 verlieren. Tradition besagt, der Verlierer muss 'Fanny küssen' – meist ein Bild oder eine Skulptur.

Mène

Eine einzelne Spielrunde (ähnlich einem 'End' beim Rasenbowling).

Pointer

Ein sanfter Wurf mit dem Ziel, die Kugel möglichst nah am Cochonnet zu platzieren.

Tirer

Ein kräftiger Wurf mit dem Ziel, die gegnerische Kugel wegzuschlagen.

Triplette

Ein 3-gegen-3-Teamformat, bei dem jeder Spieler 2 Kugeln verwendet.